Herausforderung Bürgermeisteramt – Praxisgespräch beim Lions Club Winnenden

Herausgeber und Mitautor Mathis Dippon im Dialog mit Hartmut Holzwarth, Oberbürgermeister Winnenden, und Dr. Astrid Loff, Bürgermeisterin Schwaikheim, über kommunales Leadership zwischen Tradition und Transformation

Beim Clubabend vom 13. April stand ein Thema im Mittelpunkt, das aktueller kaum sein könnte: die Herausforderungen des Bürgermeisteramts in Zeiten gesellschaftlicher, technologischer und ökologischer Transformation.

Mathis Dippon, Herausgeber und Mitautor des Buchs „Herausforderung Bürgermeisteramt: Kommunales Leadership zwischen Tradition und Transformation" (Richard Boorberg Verlag, 2024), schilderte zunächst seine Motivation: In Zeiten zahlreicher Krisen habe er den Eindruck gewonnen, dass großes politisches Handeln oft wenig sichtbaren Unterschied mache. Auf kommunaler Ebene sei das anders – hier wird politisches Handeln spürbar, Menschen können direkt eingebunden und lokale Identität geprägt werden. Gemeinsam mit Prof. Paul Witt, ehemaliger Rektor der Verwaltungshochschule Kehl, hat Dippon das Amt systematisch untersucht: durch Interviews, Expertenbeiträge und eigene Analysen.

Das Bild, das er zeichnete, ist anspruchsvoll: wachsende Aufgabenfülle, knapper werdende Ressourcen, zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und ein verändertes Verhältnis zwischen Bürger und Amt – nicht zuletzt durch die sozialen Medien. Für Dippon braucht es drei Kernkompetenzen: Orientierung geben, den Überblick bewahren – und Menschen zusammenbringen.

In der anschließenden Gesprächsrunde berichteten zwei Lions-Mitglieder aus eigener Erfahrung: Hartmut Holzwarth, Oberbürgermeister der Stadt Winnenden, und Dr. Astrid Loff, Bürgermeisterin der Gemeinde Schwaikheim. Dr. Loff beschrieb das Amt als außerordentlich vielseitig – verbunden mit großem Vertrauen, aber auch mit stark gesunkenen Hemmschwellen im Umgang der Bürger mit Amtsträgern. Holzwarth betonte seinen pragmatischen Ansatz: Er wolle alles erreichen – wisse aber, dass es nicht möglich ist, und holt deshalb durch Pragmatismus das Maximum heraus, auch unter schwierigen Haushaltsbedingungen. Beim Thema Bürokratie waren sich beide einig: Die Verwaltung setzt um, was der Gesetzgeber vorgibt – Abhilfe müsse dort ansetzen.

Der Abend bot seltene Einblicke in ein Amt, das weit mehr verlangt als Verwaltung – und Menschen, die es dennoch mit Überzeugung ausfüllen. Ganz im Sinne von: We serve.

v.l.: Hartmut Holzwarth, Oberbürgermeister Winnenden, Mathis Dippon, Herausgeber, Dr. Astrid Loff, Bürgermeisterin Schwaikheim, Präsident Hermann Klöpfer | Bild: Lions Club Winnenden